F.A.Z. Frühdenker Weekend • Was, wenn der Krieg zu uns kommt, Militärexperte Gady?
Shownotes
Russland droht mit weiteren Angriffen auf Kiew und fordert Diplomaten auf, die Stadt zu verlassen. Wir sprechen darüber, was dahinter steckt und über ein potentielles Zukunftsszenario für die NATO.
Host: Kati Schneider
Mitarbeit: Johanna Westermann
Russland und Ukraine überziehen sich mit schweren Angriffen
Warum Moskau mit Angriffen auf Kiew droht
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Transkript anzeigen
00:00:03: Der Sonntag beim FAZ-Frühdenker.
00:00:05: Wie schön, dass Sie auch heute bei uns sind und wie immer am Wochenende nehmen wir uns Zeit für eine Folge des FAZ Podcasts aus dieser Woche.
00:00:13: Am Dienstag sprach Kathi Schneider mit dem Militäranalysten Franz-Stefan Gadi
00:00:18: über
00:00:18: die jüngsten russischen Angriffe auf Kiev und Putinstrohungen gegen Diplomaten.
00:00:24: Gadi erklärt was hinter Russlands Luftkriegsstrategie steckt schnell zur Zielscheibe werden könnte.
00:00:33: Ein Gespräch über unbequeme Wahrheiten und die Frage, wie realistisch ist ein Krieg der auch uns direkt trifft?
00:00:52: aktuellen Ereignissen.
00:00:54: Russland hat zuletzt ja ein Großangriff auf Kiew gestartet und hunderte Drohnen und Raketen vor allem die O-Rechnik losgeschickt, außerdem hat Putin gesagt dass Ausländer die Stadt verlassen sollen.
00:01:05: Was ist das gerade?
00:01:06: Gezielte Panikmache gegen die Unterstützer vor allem?
00:01:09: Ich glaube Russland will hier zeigen, dass es Möglichkeiten zur Eskalation hat, v.a.
00:01:14: in der Dimension Luft also in der Luftkriegsführung und dementsprechend würde ich glaube ich Russland unterstreichen, dass in den Städten anzurichten, mehr von der ukrainischen kritischen Infrastruktur zu zerschlagen.
00:01:27: Und wir müssen es natürlich im Kontext sehen des mangelnden Erfolges an der Front und dass Russland hier möglicherweise den Schwerpunkt teilweise in den nächsten Wochen und Monaten auf die Luftkriegsführung eben verlagert.
00:01:40: Wobei ich muss auch immer wieder unterstreichen das noch zu früh ist Trendwende an der Front zu sprechen, weil das in den letzten Tagen immer durch die Medien gegeistert ist.
00:01:49: Also noch keine Trendwände.
00:01:51: aber warum konzentriert sich die Wucht dieser Angriffe gerade ausgerechnet auf die Hauptstadt?
00:01:56: Einerseits war dort wichtige Rüstungsindustrielle Zentren sich befinden, andererseits weil natürlich hier ein großes internationales Publikum vorhanden ist.
00:02:06: Das heißt also die verschiedenen Botschaften und die ganzen internationalen Besucher eben in diesem Krieg fahren ja zuallererst immer nach Kiew um sich mit politischen Entscheidungsträgern und Trägerinnen anderen Vertretern der Ukraine zu treffen.
00:02:19: Also hier ist also klar auch der Informationskrieg ein Teil Rechnung des Gremels, warum diese Angriffe stattfinden.
00:02:27: und vor allem möchte man natürlich auch demonstrieren dass mal eine militärische Großmacht nach wie vor ist.
00:02:33: Die Nachwiffe fähig ist selbst die Hauptstadt des Gegners mit schweren Angriffen eben zu erschüttern.
00:02:39: Putin oder beziehungsweise Russland spricht ja offen von Angriff auf Entscheidungszentren.
00:02:43: heißt das, dass man auch mit solchen Enthauptungsschlägen sozusagen rechnen muss?
00:02:48: Das
00:02:48: ist nicht auszuschließen!
00:02:49: Das wäre ne Neudimension dieses Krieges selbstverständlich Aber ich würde sagen, es würde reinpassen in einer Eskalationsstrategie, dass man solche Schläge durchführt.
00:03:01: Und würden Sie aber insgesamt sagen – Sie haben jetzt gesagt noch keine Trendwende -, ist das ein Zeichen der Schwäche gerade von Russland?
00:03:08: Also will Putin wieder in die Offensive kommen?
00:03:10: Russland verfolgt nach wie vor das Ziel den Rest des Donbasses zu erobern bzw.
00:03:16: zu integrieren in die russische Föderation.
00:03:18: Ich glaube, das sind die Minimalziele und wenn man sich die Frontlage anschaut hat hier Russland in den letzten Monaten keine nennenswerten Erfolge erzielt.
00:03:26: Der Russland versuchten nach wie vor eine Art Zangenbewegung, die zwei strategisch wichtigen Städte Kramatorsk und Sloviansk einzukreisen und dann die ukrainischen Verteidiger in diesem Kessel quasi zur Aufgabe oder zum Rückzug zu zwingern.
00:03:41: Es versucht auch weiter eben hervorzustoßen.
00:03:45: von Schassefja.
00:03:47: Konstantin Jevga will die Stadt Konstantin Jaffka obern, wo ich sehr viele Male auch war in den vergangenen Jahren.
00:03:53: Es ist nicht schwierig mittlerweile reinzukommen und rauszukommen.
00:03:56: Im
00:03:57: Donbass richtig?
00:03:58: Genau, das ist ... Konstantint Jaffkar liegt im Donbas und im Süden eben von Kramatorsk und ist eine der heiß umkämpften Städte gerade im südlichen Donnetzg.
00:04:11: Und hier ist auch im Moment der Hauptfokus der russischen Angriffs.
00:04:15: Und was man sagen kann ist, dass in den letzten Monaten die Russischen Verluste sehr hoch waren.
00:04:19: Man muss auch hier vielleicht anmerken, dass die russischen Verliste auch in den ersten Monaten im Jahr-Zweiter aus dem Jahr-zwei-Tausend-Zwanzig hoch waren, das es dort sehr viele mechanisierte Angriffe gegeben hat, mechanisierten Angriffen finden oft statt eben bevor quasi Blätterwerk zurück gehört, was eben der Infanterietahnung ermöglicht auf dem Gefechtsfeld und ein einfacheres Vorgehen weil man länger unentdeckt bleiben kann.
00:04:43: Das kommt erst im späten Frühling, im Frühsaumer zurück und dadurch werden Infanterie-Angriffe stark reduziert und man setzt auf mechanisierte Angriffe die im letzten Jahr nicht erfolgreich waren, die auch in diesem Jahr nicht erfolgreich sind.
00:04:57: aber man muss sehr vorsichtig sein dass man von den jetzigen Trends darauf schließt was in den kommenden Monaten alles passieren wird.
00:05:05: Und diesen Fehler beging man schon oft in der Vergangenheit, was die Ukraine betrifft eben und es gibt keine lineare Entwicklung in der Kriegsführung normalerweise.
00:05:16: Also dieses Plan könnte sich auch wieder wenden wobei auf dem Makro-Ebene Russlands Position in diesem Krieg doch schwächer ist.
00:05:24: jetzt im Mai des Jahrtausends sechsundzwanziger also es im Mai zweitausend zwanzig war weil einerseits Russland hier Großgrößere Probleme hat im Bereich der Rekrutierung, die gab es im letzten Jahr noch nicht.
00:05:35: Dann strauchelt auch die Wirtschaft.
00:05:38: dann ist es aber auch so dass auf der ukrainischen Seite die Ukraine in der Dronankriegsführung teilweise die Parität an einzelnen Frontabschnitten auch die Überlegenheit wieder herstellen konnten.
00:05:48: Und dass die ukrainischen Streitkräfte im Vergleich zu Vergangenheit nicht schrumpfen, wie sie es noch im ganzen Jahr in den Jahren von dem Jahr-Zweißen-Fünfundzwanzig getan hatten.
00:05:56: Das heißt also, die ukranische Streitkäfte sind im Großen und Ganzen was die Anzahl der erkämpften Truppen betrifft relativ stark.
00:06:06: Und alle diese Faktoren verschlechtern die strategische Lage für Russland in diesem Konflikt und deshalb auch der Grund meines Erachtens nach, dass Russland hier strategische Operationen also mehr auf der Luftkriegsebene versucht eben auch das Kriegsgeschehen zu beeinflussen.
00:06:24: Jetzt gab es ja nach dem Großangriff auf Kiew und auch der Aufforderung Russlands, dass ausländische Kräfte Kiew verlassen sollen.
00:06:33: Es gab von der EU und Deutschland die Antwort, man würde sich nicht einschüchtern lassen, die russischen Botschafter wurden einbestellt... wird ja alles sicher wenig bringen.
00:06:41: Also die Frage, was ist denn die wirksamste Reaktion gerade auf dieser Angriffswelle?
00:06:46: Einfach das weiterzutun, was die EU, die NATO und die Partner und Verbündeten der Ukraine bereits getan haben in der Vergangenheit.
00:06:53: Das heißt, die Ukraine weiterhin militärisch unterstützen.
00:06:57: die Fusionierung der ukrainischen und europäischen Rüstungsindustrie voranzutreiben, die Ukraine nach wie vor in einer Gefäßfeldaufklärung zu unterstützen.
00:07:07: Wo es geht aber gleichzeitig – das muss man auch wieder unterstreichen – muss man aber auch die Hand offen halten für den Dialog, für die Gespräche mit dem Kreml mit der russischen Führung weil letztendlich sind die militärischen Mittel hier nur Ein Mittel zum Zweck.
00:07:22: Man will ja letztendlich Frieden schaffen, aber ein Frieden der natürlich auf militärische Abschreckung passiert.
00:07:28: Aber jeder Friede oder selbst jeder temporäre Waffenstillstand passiert auch auf dem Theolog und die Diplomatie.
00:07:35: Und in dieser Hinsicht müssen die militärischen Fähigkeiten der Ukraine und europäische amerikanische oder westliche Unterstützung, wenn man das so sagen kann, den Wegebenen eben auch für einen ehrlichen Dialog auf Augenhöhe, um diesen Krieg auch zumindest zu einem temporären Waffenstillstand zu führen.
00:07:54: Sie sagen jetzt die Hand für solche Gespräche offen halten?
00:07:57: Jetzt ist aber die letzten Monate in der Hinsicht ja gar nichts passiert.
00:08:01: Das stimmt!
00:08:01: Aber das ist nicht abnormal in der Militärgeschichte.
00:08:04: Gespräche verlaufen oft monatelang im Sand.
00:08:07: Man muss es trotzdem versuchen.
00:08:09: Es kostet einem meines Erachtens wenig, diese Gespräche zu führen und es hilft auch vertrauensbildende man vielleicht langsam wieder aufzubauen.
00:08:17: und man darf nie vergessen.
00:08:18: Jeder Konflikt, der eine Nuklearmacht innoviert kann eine nukleare Dimension erreichen und in dieser Hinsicht ist es auch so dass die Gesprächskanäle offen bleiben sollten.
00:08:28: das heißt aber nicht und das möchte ich noch einmal hier sagen, dass man alles für barre Münze nehmen muss was von der anderen Seite kommt und man muss natürlich und darf nie in dieser Hinsicht die militärische Dimensionen, die militäre Stärke und die militärische Realität auf dem Gefechtsfeld oder im gesamten Kriegschaplatz außer Acht lassen.
00:08:47: Und hier ist es so das die Ukraine deutlich besser dasteht im Jahr zwanzig sechsundzwanzig als zwanzivfünfundzwanzzig.
00:08:54: also einen Diktatfrieden wird es meines Erachtens nach zumindest in den nächsten Monaten nicht kämen.
00:09:03: Ich würde gerne mit Ihnen jetzt mal ein bisschen mehr über die EU sprechen, über Europa, über das Baltikum.
00:09:09: Letzte Woche schon wurde ja eine mutmaßlich von Russland abgelenkte Drohne der Ukraine über dem Baltikum über Estland abgeschossen und gestern hat sich Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen mit den Präsidenten der drei baltischen Staaten getroffen und hat Folgendes gesagt Wir könnten in enger Abstimmung mit der NATO eine umfassende Bestandsaufnahme der bestehenden Thronabwehr und Frühwarnsysteme in der gesamten Region vornehmen, um gemeinsam kritische Lücken zu identifizieren.
00:09:40: Und anschließend dort wo der Bedarf am größten ist die Unterstützung zu verstärken und diese Lücken zu schließen.
00:09:49: Von der Leyen hatte ja schon im Herbst für eine eigene Rolle der EU bei der Drohnenabwehr geworben, stichwort eigener Dronenwahl an der Ostflanke.
00:09:58: Es war nachdem russische Drohne über Polen abgeschossen worden sind.
00:10:01: Deutschland und Frankreich waren damals dagegen.
00:10:03: ein Fehler würden Sie sagen?
00:10:04: Ich glaube das
00:10:05: Wichtigste ist hier der Aufbau von nationalen Verdeidigungsfähigkeiten was die Drohnernabwehr betrifft.
00:10:10: also Deutschland, die Bundeswehr muss eigene Systeme hier entwickeln bzw.
00:10:15: unter eigenem Kommando haben.
00:10:17: Die Verteidigungsanstrengungen an sich sind primär auf nationaler Ebene zu finden.
00:10:22: Das wird sich auch nicht ändern und ich glaube dieser Hinsicht hatte Deutschland und Frankreich recht.
00:10:26: meiner Meinung nach.
00:10:27: Was natürlich hier wichtig ist zu verstehen ist dass wir tatsächlich enorme Defizite in der Dronenabwehr oder in der gesamten Luftverteidigung haben die wir schnellstmöglich schließen.
00:10:40: Lassen Sie mir nur ein Beispiel geben.
00:10:41: Bis Ende des Jahres wird Russland möglicherweise über hundert, zwanzigtausend Geran II, also Shahid ähnliche Dronen produzieren die alle Ziele in Deutschland erreichen können, hundzwanzig tausend.
00:10:54: Deutschland ist so gut wie wehrlos gegen einige Hundert von diesen Dronern in Wirklichkeit und wir werden also Deutschland jetzt komplett wehrlose sollte es hier einen Massenangriff geben und auch andere NATO-Länder.
00:11:07: Also hier müssen wir schleunigst aufschließen, weil wie gesagt man darf nicht von einem fehlenden Erfolg der russischen Bodentruppen darauf schliessen dass sie militärische Betrohungen durch Russland gegenüber der NATO dadurch merklich auch sinken würde, weil Russland einen Vorteil hat.
00:11:25: es hat massiv viel gelernt das diesen Krieg in der Ukraine, in der Luftkriegsführung, mit Präzisionswaffensystemen über längere Distanzen, und Deutschland eben als die strategische Tiefer der NATO ist besonders von solchen oder würde wahrscheinlich besonders von solchen Angriffen betroffen sein in einem generellen NATO-Russlandkrieg.
00:11:47: Also man darf den Gegner hier Keinsterweise unterschätzen.
00:11:51: Dann ist es aber ja passend, dass gestern also am Dienstag der ukrainische Chefunterhändler zu Gesprächen in Berlin war mit Vertretern der Bundesregierung und da ging es ja auch insbesondere um das Drohenabkommen zwischen Berlin und Kiev.
00:12:05: Das soll dazu Sprache gekommen sein?
00:12:06: Ja, das ist gut wobei ich immer wieder unterstreichen muss, dass eine Grundsatzfrage nach wie vor unbeantwortet ist würde Deutschland gegen Russland den Krieg ziehen um die Ukraine zu verteidigen?
00:12:17: Alles andere ist Makulatur meiner Meinung nach.
00:12:20: Man kann natürlich Partnerschaften und Kooperationen anschließen, man kann das alles tun aber die große Frage wird dass irgendeinen großartigen Einfluss haben auf die Entscheidungsfindung im Kreml was letztendlich ein Faktor ist was die konventionelle Abschreckungen vor neuerlichen russischen Abenteuern gegen den Ato oder gegen Europa betrifft.
00:12:38: und in dieser Hinsicht müssen wir uns wirklich mit sehr unbequemen Themen auseinandersetzen, was das betrifft.
00:12:46: Weil auch so ein Dronenabkommen natürlich voraussetzt dass es hier gewisse Verpflichtungen gibt im Ernstfall, dass Deutschland hier aktiv wird gegen Russland und ich weiß nicht ob wir diese Grundsatzdebatte in Deutschland tatsächlich offen und ehrlich führen.
00:13:03: Ja, was man merkt ist immer mehr dass das alles schnell noch viel näher sein kann als es ja ohnehin schon ist.
00:13:10: und das ist eine gute Überleitung Herr Gadi zu ihrem Buch.
00:13:12: Dass sie ja morgen erscheint.
00:13:14: Das heißt überfall wenn der Krieg zu uns kommt.
00:13:16: darin geht jetzt prima um ihr Heimatland Österreich und das beschreiben Sie als Drehscheibe in einem großen europäischen Krieg?
00:13:25: Was meinen Sie konkret?
00:13:28: etwas schlechten Nachrichten für Deutschland.
00:13:30: Österreich wird nur zu einer wichtigen Drehescheibe der NATO, obwohl Österreich kein NATO-Mitgliedsland ist wenn die Drehscheibe Deutschlands sozusagen kollabiert ist.
00:13:40: also wenn man sich die Karte anschaut dann gibt es vier Länder die quasi die strategische Tiefe der NATO sind.
00:13:46: das wäre einerseits Deutschland dann Tschechien Österreich und Slowenien hier.
00:13:51: Durch diese vier Länder müssten im Ernstfall mehrere hunderttausend soldatene, allierte Soldaten gelotzt werden über die Straßeneisenbahnverbindungen und gleichzeitig auch Tausende von Gefechtsfahrzeugen.
00:14:04: Hunderttausehnte Tonnennachschub im Allgemeinen.
00:14:07: Und Russland hätte ein großes Interesse, dass diese Nachschubwege bevor sie Polen erreichen oder eine neue Ostfront sozusagen also an den NATO-Ostflanke gelangen dass diese Truppenbewegungen oder Nachschubtransporte schon in der Tiefe des Raums gestoppt werden und Russland hat die Fähigkeiten hierzu.
00:14:27: Und in meiner Analyse, wo es tatsächlich hauptsächlich um Österreich geht ist das aber so eben, dass die Russen relativ schnell innerhalb von wenigen Tagen eben die Drehscheibe Deutschland ausschalten durch den Einsatz von Cyber-Angriffen, die Bahnstreckenlammlingen Ballistische Raketen, die gezielte Hefen zerstören.
00:14:47: Marschelokörpern, die im Brücken Verkehrsknotenpunkte ausschalten, die die kritische Infrastruktur auch zerschlagen und dann so kleine Saboteurtrupps, die auch Anschläge verursachen bzw.
00:14:57: auch teilweise Kasernen angreifen um im Chaos in der Bundesrepublik zu schaffen.
00:15:02: Und ich war erstaunt und entsetzt, tatsächlich wie ich recherchiert habe für dieses Buch mit wie wenig Mitteln Russland eigentlich diese Drehscheibe Deutschland lahmlegen könnte.
00:15:11: Das gleiche gilt eben für die Drehscherbe Tschechien und dann selbstverständlich auch für die Drehscheibe Österreich und Slowenien.
00:15:19: Wie gering
00:15:19: sind denn die Mittel, die dafür aufgewendet werden müssen?
00:15:21: Naja also ich hab das im Buch kalkuliert im Gesamten während es wahrscheinlich ein paar tausend Drohnern, also nicht hunderttausende Drohnen, ein paar Hundert Marschflugkörper ballistische Raketen ein paar tausend Supertausende.
00:15:33: höhere Boden.
00:15:35: Das mag jetzt nach einer großen Anzahl klingen, aber der Zechig ist es so dass Russland seit Ausbruch des Krieges zwanzig-zwanzig seine Raketenproduktion zwischen drei bis verfünffacht hat mittlerweile in Millionen Drohnen im Jahr herstellt und vor allem die Fähigkeit hat über hunderttausend Dronen mit größerer Reichweite herzustellen mit vierzig bis fünfzig Kilogramm Sprengstoff die im Ziel in Deutschland treffen können.
00:15:58: das ist tatsächlich eine große Herausforderung und in meinem Buch lege ich ein Szenario da was wenn diese Drehscheiben temporär im Ausergefecht gesetzt werden.
00:16:06: Und das natürlich ist dann so, dass Österreich ein neutrales Land ist und der Zugzwang kommt NATO-Transporte eben durch Österreich durchzulassen, dass wir als ein neutraleres Land hier in Österreich uns eine Debatte bis dato nicht gestellt haben.
00:16:20: was passiert mit der Neutralität eigentlich?
00:16:22: Wenn der Krieg ausbricht?
00:16:23: arbeiten wir mit Deutschland zum Beispiel zusammen oder nicht?
00:16:26: können deutsche Luftverteidigungssysteme auf österreichischem Boden stationiert werden.
00:16:31: Wie schaut es mit der Zusammenarbeit innerhalb der Europäischen Union aus?
00:16:35: Das versuche ich in dem Buch eben darzulegen und das stellt ihm einige unbequeme Fragen, und ich glaube als letzten Punkt, der wichtig ist zu verstehen – der glaube ich eine Selbstverständlichkeit in Deutschland ist.
00:16:45: Deutschland würde in einem generellen NATO-Russland Krieg zielf von diesen Angriffen wären!
00:16:49: In Österreich ist nach wie vor die mehr im Umlauf wegen der Neutralität nicht zielf von russischen Angriffen werden würden, wenn wir uns raushalten aus solchen Konflikten.
00:17:02: Und ich zeige im Buch aber dass das nicht die Politik entscheidend ist sondern die Geografie und dass egal was kommt sollte es zu so einem Krieg kommen und Deutschland getroffen werden würde von russischen Angriffen und Tschechien und Sylvänien Österreich mit Sicherheit auch eine volle Ladung abbekommen würde.
00:17:17: Das heißt, wenn ich sie da aber richtig verstehe käme es also laut ihrem Szenario zu einem Krieg Russlands mit der NATO dann wäre Deutschland das erste Ziel und dann würde das relativ schnell wegen eben dieser Drehscheibe Österreich auf ihr Heimatland überschwappen sozusagen?
00:17:35: Genau!
00:17:37: Meine Hypothese wäre dass diese vier Länder relativ gleichzeitig alle getroffen werden würden Einfach aus militärischer Notwendigkeit.
00:17:45: Weil wir eben über die Gefahr im Baltikum gesprochen haben, Sie waren ja auch immer wieder dafür weil es jetzt gerade so aktuell ist welche Signale würden Ihnen denn zeigen Herr Gadi dass Russland den Sprung vom Ukrainekrieg zur direkten NATO-Konfrontation vorbereiten würde?
00:18:03: Natürlich müsste man sich sehr genau Truppenverschiebungen anschauen, ob es in Russland eben eine neue Mobilisierungswelle geben würde.
00:18:11: Ob's größere Militärübungen an der Westgrenze zu Russland oder in Weißrussland geben würden.
00:18:15: aber man darf nie vergessen dass militärische Mittel kein Selbstzweck sind sondern eingebetet sind in einer gesamtpolitischen Strategie eines Landes und in dieser Hinsicht muss man natürlich dann auch sehr klar darauf schauen was ist die Rhetorik das Kremers?
00:18:29: gibt es hier quasi Brüche in den sogenannten Drehbüchern, also gibt es etwas Ungewöhnliches wie zum Beispiel ein Ultimatum das tatsächlich gestellt wird was in der Vergangenheit selten der Fall war.
00:18:39: Hierinnere ich an die ultimaten Russlands, an die NATO und die Ukraine beziehungsweise an die USA im Dezember zwanzig-einundzwanzig.
00:18:46: hier war ein klarer Bruch Trendbruch zu sehen wie Russland in der vergangenheit diplomatische Beziehungen mit dem Westen pflegte.
00:18:54: Man darf auch nie unterschätzen, inwiefern Menschen auch Realitätsverweigerer sind die einfach schlechte Nachrichten nicht hören wollen.
00:19:03: also... Im Januar zwanzigzwanzig war es ja doch so, dass ein großer Prozentsatz der deutschen Bundesregierung nicht an einen russischen Angriff geglaubt hat.
00:19:12: Aber auch in Kiew selbst die Ukrainer im Januar, zwanzichzwanzzig – die politische Führung – ein Großteil nicht an einem russisch- angreif an eine vollen Version geglaubte.
00:19:21: Obwohl sich die Zeichen hier stark vertichtet hatten und russische Panzer tatsächlich direkt an der Grenze bereits gestanden sind.
00:19:27: also ich würde mal meinen wir können, obwohl wir modernste Aufklärungsfähigkeiten haben was unsere Geheimdienste betrifft, Nachrichtendienste bedrifft und die allgemeine Aufklärungsfähigkeit in unserer Streitkräfte.
00:19:40: Dass es dennoch so sein könnte, dass wir in Zukunft auch von Russland wieder überrascht werden, was einen neuen Krieg
00:19:46: betriffe.".
00:19:48: Jetzt sagen Sie, dass man schon dazu geneigt war, schlechte Nachrichten oder die Augen vor schlechten Nachrichten verschließen zu wollen.
00:19:56: Das ist ja auch genau das, worauf sie in ihrem Buch Aufmerksam machen wollen.
00:19:59: Dass es tatsächlich ein realistisches Szenario ist, das wir uns vor Augen führen müssen – Österreich wie auch Deutschland!
00:20:07: Wie ohne jetzt alarmistisch zu werden, für wie realistisch halten Sie das denn nach Ihrer Recherche?
00:20:13: Nach Ihrem Buch auch.
00:20:14: Ich glaube die gefährlichste Zeit ist die Zeit unmittelbar nach einem Waffenstillstand.
00:20:19: einen temporären Waffenstil stand in der Ukraine sei es spät in diesem Jahr wobei das meines Erachtens nach unwahrscheinlicher ist im Jahr zwanzig siebenundzwanzig und dann die ersten zwei Jahre danach wo nämlich die europäische Nachrüstung und der Aufwuchs unserer Streitkräfte in Europa nach wie vor wirklich in Fahrt kommen muss.
00:20:41: Und aber die russische Stärke oder die relative Militärstärke Russlands größer ist, als es dann danach sein wird.
00:20:51: Hier macht sich wahrscheinlich nach so einem Waffenstillstand ein Verwundbarkeitsfenster auf und das sehe ich als die vielleicht gefährlichste Phase.
00:20:59: Man darf nie vergessen, Russland hat mit großer Sicherheit seine Zukunft mit diesem Krieg verspielt und ich nenne das immer ein Hammer-und Nagelproblem.
00:21:10: Das einzige was Russland übrig bleibt, um seine Politik den Europäern aufzuzwingen sind letztendlich die Streitkräfte und wenn also die Streidkräfte der Hammer sind dann sind plötzlich alle Probleme der internationalen Politik für Russland ein Nagel.
00:21:29: Ich will weder alarmistisch noch pessimistisch in meiner Analyse sein, sondern realistisch.
00:21:35: Realistisch gesehen ist es so dass die Kriegsgefahr über die nächsten Jahre zunehmend wird.
00:21:41: das bedeutet aber nicht dass es tatsächlich stattfinden muss und wir können vor allem Schritte setzen um das so gut wie möglich zu verhindern indem wir im einerseits darauf setzen dass wir die konventionelle Abschreckung gegenüber Russland wieder herstellen und auf der anderen Seite auch gleichzeitig dafür sorgen, dass wir die Gesprächskanäle mit Russland offenhalten.
00:22:01: Ja nicht ganz so rosig gehen wir aus diesem Gespräch aber realistisch wie Sie sagen.
00:22:06: ich danke Ihnen Franz-Stefan Gadi für das Gespräch!
00:22:10: Vielen Dank.
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