F.A.Z. Frühdenker Weekend • Kehrt der Alptraum zurück? Angst vor dem tödlichen Hanta-Virus

Shownotes

Stehen wir am Anfang einer neuen Pandemie? Oder reagieren wir übertrieben panisch? Im F.A.Z. Podcast für Deutschland geht es heute um die Frage, wie ansteckend das Hanta-Virus beziehungsweise wie anstreckend die Angst vor dem Virus ist. Zu Gast der Berliner Angstforscher Mazda Adli

Host: Simon Strauß

Mitarbeit: Bengi Topcu

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Transkript anzeigen

00:00:03: Männer in Vollschutzanzügen, Desinfektionsaktion, Quarantänemaßnahmen.

00:00:08: Die Bilder vom niederländischen Kreuzfahrtschiff wecken traumatische Erinnerungen an die Corona-Pandemie.

00:00:14: Droht uns eine neue Pandemie durch das tödliche Huntervirus?

00:00:18: Oder ist die Angst vor dem Virus gefährlicher als das Virus selbst?

00:00:23: Darum ging es diese Woche im FAZ-Podcast für Deutschland und damit Sie mitreden können gibt es diese Folge jetzt.

00:00:33: Simon Strauss spricht mit Wissenschaftschefin Pia Heinemann über die Gefahr des Virus und mit dem Berliner Stressforscher Mazda Adli, über die Angst vor dem Virus.

00:00:43: Die möglicherweise gefährlicher ist als das Virus selbst.

00:00:51: Zu Beginn eine kurze Kronik des Geschehens.

00:00:53: Anfang April sticht das Kreuzfahrtschiff MV Hondius von Südagentinien aus in Richtung Antarktis in See an Bord ein niederländisches Ehepaar, dass sich vermutlich durch Kontakt mit dem hochgefährlichen Andesvirus, einer besonders raskanten Abwart des Hunter-Virus, infiziert hat.

00:01:12: Das infizierte Ehepaar war seit Jahrzehntausendfünfzwanzig in Argentinien unterwegs gewesen und hatte wohl auch Chile und Uruguay besucht.

00:01:20: Die Lage an Bord eskaliert dann Anfang Mai als vom Schifferarzt die ersten Krankheitsfälle sowie sehr schnell drei Todesopfer gemeldet werden eben das Ehepaar aus den Nierhanden sowie eine mit diesem Ehepar eng befreundete Deutsche.

00:01:35: Da die medizinische Versorgung an Bord nicht ausreicht, liegt das Schiff dann tagelang fest bis Spanien am sechsten Mai nach Rücksprache mit der WHO die Einfahrt nach Tenerife genehmigt.

00:01:46: Nach dem Anlegen dort am vergangenen Wochenende beginnt eine hochkomplexe Evakuierungsaktion hier einer militärischen Präzisionsoperation unter höchstem Bio-Sicherheitsstufen gleicht.

00:01:57: Um eine Mensch zu Menschen übertragen, das Andesvirus zu verhindern werden die Passagiere in einer lückenlosen Isolationsblase – so lautet der Fachausdruck vom Schiff bis in die Heimatländer transportiert.

00:02:09: Der Prozess beginnt mit dem Transfer in keine Gruppen per Beiboot zum Hafen wobei alle Reisenden bereits Ganzkörperschutzanzüge und FFP II Masken tragen.

00:02:17: an Land, Erfolg in abgeriegelten Zelten.

00:02:19: dann ein erster medizinischer Check durch Spezialteams in Schutz aus Rüstung bevor die evakuierten dann in versiegelten Bussen unter Polizeieskorte zum Flughafen gebracht

00:02:29: werden.

00:02:30: Dort steigen sie dann direkt in breitstehende Sonderflugzeuge, um ohne mit dem regulär enttammene Betrieb in Kontakt zu kommen.

00:02:36: Und nach der Landung in Deutschland werden die Passagiere nicht entlassen sondern in speziellen Isoliertransporten unmittelbar in Hochsicherheitsstationen verlegt.

00:02:44: dort schließ sich eine bis zu zweiundvierzigte Quarantäne und Beobachtungsphase an, um sicherzustellen dass keine unerkannte Infektion in die Bevölkerung getragen wird.

00:02:56: Verbleibt noch eine minimale Rumpfbesatzung an Bord des Schiffes.

00:03:00: Und diese Besatzung sorgt nun für eine umfassende chemische Desinfektion in den Niederlanden.

00:03:06: Soweit also die Chronik des Verlaufs, nach jüngsten Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO gibt es aktuell sieben bestätigte Hunter-Virus Fälle, zulässig eins auch mehrere Verdachtsfelder.

00:03:18: Das klingt jetzt erstmal ziemlich harmlos und doch das merken wir ja gerade alle treiben uns die Bilder umwecken etwas in uns auf, das sich nicht gut anfühlt.

00:03:28: Aber bevor wir gleich mit dem Psychiater über unsere Angst sprechen, sprechen wir jetzt erst mal mit der Wissenschaft über das Virus.

00:03:35: Ich freue mich hier im FZ Podcast für Deutschland unsere Koresorleiterin Wissenschaft Pia Heinemann begrüßen zu dürfen die als unsere Expertin zum Hunter-Virus gilt.

00:03:44: Grüß dich, Pia!

00:03:45: Hallo!

00:03:46: Ja sag mal, PIA ganz Basic Facts zu Beginn, woher kommt das Virus?

00:03:50: seit wann kennen wir es eigentlich?

00:03:51: Ja, das Virus ist schon länger bekannt.

00:03:53: Auch in Deutschland kennen wir ja Hunterviren.

00:03:55: die werden von so Nagetieren übertragen.

00:03:57: aber das Hunter-Virus wo es jetzt auf dem Kreuzfahrtschiff Hondius mit rund geht sozusagen Das ist eins was eigentlich nur in Südamerika in Chile und in Argentinien bekannt ist.

00:04:08: Und das Besondere ist dass es ein bisschen gefährlicher ist als das Hunter virus was wir bei uns haben.

00:04:14: Wie wird dieses Hunter-Virus denn übertragen?

00:04:16: Ich habe gelesen, dass vor allem durch den Kontakt mit Nagetieren insbesondere Mäusen übertragen wird.

00:04:22: Also das es beim reinigen geschlossenen Räumen mit der Beringerbelüftung ausgelöst wird in denen Mäusekurt herumliegt.

00:04:29: also ist das wirklich so, dass man das vor allem in Kontakt mit diesen Nagetiern bekommt?

00:04:33: Ja, also generell schon.

00:04:35: Das ist ein Virus was vor allen Dingen eben bei den Nagatieren vorkommt und wenn die irgendwie kötteln oder ruinieren dann wird es freigesetzt und wenn man dann irgendwie im Dreck wühlt, sei es dass man Blumen umtopft oder einen Keller aufräumt oder so, dann werden Stäuber aufgewirbelt und wenn wir das dann einart mit, kann man sich infizieren.

00:04:53: Das is sowohl bei dem Hunter-Virus als auch bei dem was es in Südamerika gibt Das, was wir jetzt in Südamerika haben, das nennen viele anderen oder Andes-Virus.

00:05:06: Weil es eben vor allen Dingen den Anden auftaucht... Das hat aber die Spezialität, nenne ich es mal, dass es auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann und das ist der große Unterschied zu den Huntervieren, die wir hier bei uns haben.

00:05:17: Und das ist auch das Problem, was auf dem Kreuzfahrtschiff jetzt aufgetaucht ist?

00:05:22: Ja, das ist genau der interessante Punkt!

00:05:24: Dass davon ausgegangen wird, wie du sagst, dass man mensch zu mensch übertragbar ist.

00:05:28: Aber wie genau übertragbar?

00:05:30: Also reicht einmal Anniessen oder muss man sich schon küssen, oder gar noch Abenteuerliches miteinander machen.

00:05:37: Das Hunter-Virus mag Abenteuern würde ich sagen!

00:05:39: Man weiß das sehr genau aus Argentinien und aus Chile weil da gibt es jedes Jahr Hunter wie ein Infektion und die vollzieht man auch immer nach.

00:05:47: Da stellt sich raus dass der Kontakt ziemlich eng sein muss.

00:05:50: also Wirklich nichts damit zu tun mit Corona, sondern man muss sich küssen.

00:05:54: Man muss zum Beispiel bei der Pflege von Angehörigen, wenn da irgendwelche Körperflüssigkeiten ausgeschieden aufgenommen werden.

00:06:01: Da kann sich das Virus übertragen und dann kann es auch sehr gefährlich werden.

00:06:06: Also ich habe jetzt meine Zahl mitgebracht aus dem vergangenen Jahr, im Jahr zwanzigundzwanzig.

00:06:10: Da gab es in Argentinien zum Beispiel sechsund achtzig gemeldete Fälle dieses Hunter-Virus und insgesamt achtundzwanzig Tote.

00:06:17: Das waren jetzt nicht alles Ansteckungen, es wurden die mal... Es waren eben auch Fälle wo jemand so ich habe es gerade gesagt im Garten aufgeräumt hat oder so.

00:06:25: also Direktansteckung nicht weitergetragen aber ist eben eine relativ hohe Literalität.

00:06:29: in Chile gab es fünfunddreißig Fälle im vergangenen Jahr und sieben Tote.

00:06:33: Ist denn der Krankheitsverlauf?

00:06:34: aber am Ende dann doch nicht relativ ähnlich zu jetzt Covid?

00:06:37: Also es ist auch eines, was die Atemwege dann angeht und da gibt das eben dann keine guten Behandlungsmöglichkeiten.

00:06:42: oder wie würde man das beschreiben im Verlauf.

00:06:45: Genau also bei diesem Antenvirus man atmet das ein und bekommt eine Lungenentzündung.

00:06:49: Das ist auch ein Syndrome, was genau nach dem Virus benannt wird.

00:06:53: Und dann kann man das eben über Tröpfchen ausscheiden.

00:06:56: Aber es gibt einen großen Unterschied.

00:06:58: Und das hat man ziemlich genau bei einem Fall festgestellt, der sich in Argentinien im kleinen Dorf abgespielt hat – das war im Jahr zwei Tausend achtzehn und zweitausend neunzehn.

00:07:07: Da ist ein Mann zu seiner eigenen Geburtstagsfeier gegangen und hat Fieber gehabt.

00:07:15: Das war dann der Indexfall.

00:07:17: Wir kennen diese ganzen Begriffe noch von der Pandemie.

00:07:20: Der hat dann insgesamt vierunddreißig Menschen angesteckt.

00:07:24: Also nicht dieser Mann alleine, es gab noch zwei weitere sogenannte Superspreader – wir alle erinnern uns – aber einen Fall, vierund dreißig menschen.

00:07:32: Aber es war eben eine wirklich heftige lustige abenteuerliche Geburtstagsfeier wo das Virus dann einmal richtig von Mensch zu Mensch übertragen werden konnte.

00:07:43: Also ein Virus, das wie du sagst Abenteuer liebt.

00:07:46: Wie abenteuerlich wird das Ganze jetzt aber für uns?

00:07:48: Was soll es zu sagen?

00:07:49: Pierre, droht uns eine neue Pandemie oder ist das übertrieben?

00:07:53: Nee, das ist völlig übertriebene.

00:07:55: Man sollte natürlich niemals nie sagen.

00:07:56: Aber dieses Virus hat ein paar Eigenschaften, die es deutlich von Coronavirus oder auch von dem Grippe-Virus unterscheiden.

00:08:03: Es hat einmal nicht diese Zeit der asymptomatischen Ansteckung, also das gab bei Corona so man konnte ja dass sich angesteckt haben hat gar nichts gemerkt hat es fröhlich weiter verbreitet und wurde dann zum Superspreader.

00:08:17: Das ist bei dem Hunter-Virus nicht so.

00:08:18: Also da ist man erst dann infectious wenn man Fieber entwickelt Und dann aber ordentlich!

00:08:24: Dieser Mann auf der Geburtstagsfeier von der ich vorhin erzählt habe Der hatte tatsächlich Fiebers.

00:08:29: So das ist das eine Und das andere, was das Pandemierisiko eben auch nach unten drückt ist dass dieses Virus relativ schnell sehr krank macht oder auch zum Tod führt.

00:08:39: Das bedeutet eben auch, dass man nicht einfach durch die Gegend rennt und es weiterverbreitet.

00:08:43: also zwei Faktoren, die das Virus nicht für ein Pandemievirus qualifizieren und dann ist das Virus ja bekannt.

00:08:51: Also es ist kein neues Virus, was über uns gekommen ist.

00:08:54: Die Experten, die Ärzte, die Infektion-Logen und eben auch die Öffentlichkeit wissen eigentlich ziemlich genau was jetzt zu tun ist.

00:09:01: Also Isolation von Leuten, die Kontakt gehabt haben könnten und wenn Fieber da ist sofort Testen, Testen testen.

00:09:07: Aber das heißt auch für die, die es jetzt wirklich haben?

00:09:09: Für die armen Menschen da ist die Heilungschancen relativ gering!

00:09:13: Das kommt immer wirklich, wissen wir auch auf den Menschen der sich angesteckt hat an.

00:09:18: Also wie gut ist sein Immunsystem?

00:09:20: Es kommt dann auch wirklich auf das ganz spezifische Virus an also nicht nur einfach das Andenvirus sondern welche Unterform es jetzt ist.

00:09:28: aber bei Close Contact kann das schon sein dass es zwanzig oder dreißig Prozent der Menschen die sich angesteckt haben das sie dann versterben.

00:09:37: also es ist ein gefährliches Virus.

00:09:39: Es ist ein gefährliches Virus, gegen das es auch keine Impfstoff gibt bisher oder?

00:09:42: Bisher noch nicht nehmt.

00:09:45: Und immerhin ist es von den USA zum internationalen Notfall der Stufe III erklärt worden.

00:09:49: also wir haben sie mit einem gefährlichen Virus zu tun was aber nicht das Potenzial einer Pandemie?

00:09:54: und trotzdem wollen weder du oder ich es noch haben oder

00:09:58: genau

00:09:59: so kann man vielleicht sagen okay Pierre vielleicht nochmal zum Abschluss als du jetzt diese Bilder gesehen hast ich meine Du hast ja sich auch bei Covid Passt dir ja nun auch kräftig in der Berichterstattung.

00:10:09: Hat das bei dir ganz persönlich so alte Erinnerungen oder auch traumatische Erfahrungen geweckt?

00:10:15: Also was war deine psychologische Reaktion darauf?

00:10:17: Ich bin natürlich ziemlich gebeistert als Wissenschaftsjournalistin und ich finde sowas immer sehr, sehr spannend.

00:10:22: Es ist vielleicht zu viel gesagt dass ich mich freue wenn ein neues Virus die Aufmerksamkeit erweckt Aber ich habe keine Angst gehabt, weil ich relativ schnell Bescheid wusste.

00:10:34: Was ist das für ein Virus?

00:10:35: Ich weiß, wie ich mich da informiere und ich hab gedacht... ...das was ich jetzt auf dem Kreuzfahrtschiff sehe sieht eigentlich sehr professionell aus.

00:10:41: also da wird sehr ordentlich damit umgegangen.

00:10:44: die Leute kommen nicht vom Schiff ohne dass es eben Sicherheitsvorkehrungen gibt.

00:10:49: Also das wird nicht laufen gelassen.

00:10:50: Da gibt's eine Awareness.

00:10:52: Die Experten wissen was sie glaube.

00:10:54: ich wissen was Sie tun Und ich will jetzt nicht sagen, dass ich es schön finde.

00:10:58: Aber ich glaube, das ist ganz gut, wenn immer mal wieder die Menschen daran erinnert werden, dass es eben Viren gibt, dass Es Orte gibt an denen sie sich leichter verbreiten können und dass man immer ein bisschen vorsichtig sein muss.

00:11:09: Dass sozusagen das Erbe der Corona-Pandemie in unseren Köpfen nicht vergessen wird!

00:11:15: Das sind

00:11:15: die eindringlichen Worte unserer Wissenschaftschefin Pia Heinemann.

00:11:20: Vielen Dank!

00:11:21: Danke dir Tschüss.

00:11:25: So unterschiedlich können Bilder also wirken.

00:11:27: Auf Pia Heinemann haben die Bilder von Männern in Schutzanzügen zitat beruhigend gewirkt, auf mich wirken sie eher retraumatisierend.

00:11:35: ich habe die alte Pandemieangst sofort wieder in den Knochen und deutlich in meinem Bewusstsein gespürt.

00:11:41: dieses unbestimmte Unsicherheitsgefühl das jeden Kontakt mit einem Mitmenschen sofort unter Fragezeichen stellt und dass Misstrauen in Interaktion jeder Art enorm befeuert Ist also vielleicht gar nicht das Virus selbst, sondern die Angst vor dem Virus?

00:11:58: Die eigentliche Gefahr gerade.

00:12:00: Darüber möchte ich jetzt vertrauensvoll sprechen mit den Berliner Stressforscher und Leiter der Fliederklinik Mazda Adli.

00:12:07: Grüß dich Mazda!

00:12:09: Hallo guten Tag!

00:12:12: Ja Mazda als du die Bilder der Männer in Vollschutzanzügen mit Atemmasken gesehen hast hat es sich da auch selbst grad so kurz gefrüstelt.

00:12:22: Ja, das sind natürlich Bilder die unangenehme Gefühle hervorbringen und natürlich eine Angst.

00:12:29: Wieder Wachruf, die wir aus der Pandemie kennen, die uns allen noch ganz schön in den Knochen steckt.

00:12:35: Und das ist das was bei mir ehrlich gesagt auch gerade aufgekommen ist als ich mir diese Bilder angeschaut habe.

00:12:41: Ja es ja während der Pandemiezeit viel über den seelischen Schmerz geforscht und gesprochen und auch ein bisschen versucht Stimmung einzufangen.

00:12:50: Was meinst du denn?

00:12:51: Retraumatisieren solche Bilder jetzt wirklich wieder Menschen, wenn sie das sehen?

00:12:56: Erst mal kommen ungute Erinnerungen auf und wir alle sind froh dass wir diese Zeit hinter uns gelassen haben.

00:13:03: Und als Psychiater kann ich auch berichten, dass viele Menschen die Pandemie noch wirklich in der Psyche mit sich herumtragen.

00:13:10: Das ist nicht ganz ausgestanden und jetzt kommen diese Bilder wieder, das ist unangenehm zu sehen, schlecht zu ertragen.

00:13:18: Aber man muss natürlich auch sagen es kommt eine Angst auf vor etwas Unsichtbarem, vor etwas rational kaum Fassbarem eben diesem Hunter-Virus von dem Objektiv jetzt nicht so viel Gefahr für uns ausgeht.

00:13:31: aber dennoch Angst nimmt manchmal seine irrationalen Wege Und dass ist gerade die Angst, die besonders schwer zu kontrollieren ist.

00:13:38: Du

00:13:38: hast gesagt, viele Leute tragen da noch was mit sich herum.

00:13:42: Ich würde das ja auch sogar für mich selber sagen etwas unbearbeitetes dieser Moment eben dass man am Ende von jetzt auf gleich in eine totale Verunsicherung und auch ein Misstrauen Situation was den zwischenmenschlichen Umgang eingeht gerutscht ist.

00:13:56: würdest du sagen, wir reden ja viel über die Aufarbeitung der Corona-Zeit im politischen Sinne aber dass wir sie auch psychologisch ein bisschen noch eben eher aufarbeiten müssten?

00:14:06: Naja dürfen Passiert ja auch an allen Enden und Ecken, also wir Psychiater- und Psychotherapeuten zumindest haben noch sehr viel damit zu tun mit den Folgen von sozialer Isolation, Einsamkeit aber auch Kontaktprobleme.

00:14:21: Auch Reifungsprobleme im Interaktionsverhalten wie wir sie bei Kindern und Jugendlichen die in dieser Zeit groß geworden sind erlebt haben und die eben heute junge Erwachsen sind und mit diesen Schwierigkeiten zu kämpfen haben.

00:14:32: Damit sind wir aus meiner Berufsgruppe heute immer noch sehr beschäftigt Und man merkt, also diese Pandemie liegt einfach auch noch nicht so lange zurück und ihre psychologische Halbwärtszeit hat sie auch noch nie hinter sich.

00:14:45: Sprechen wir ein bisschen konkret aus deiner Fachperspektive über das Thema Angst?

00:14:50: Also mit Angst verbinden wir ja gemeinsam.

00:14:51: etwas Negatives haben wir jetzt gerade schon als sehr negativ konnotiert aber hat sie nicht auch was Positives will ich mal fragen.

00:14:58: Positiv ist weil sie uns vor Dingen zum Beispiel auch schützt.

00:15:01: Zum Beispiel vor der Frage soll ich wirklich in diesem Sommer auf einen Kreuz Fahrtschiff gehen, obwohl ich weiß dass die Verbreitung von Viren dort besonders schnell vonstatten geht.

00:15:12: Also die Frage ist absolut richtig Simon Angst ist erstmal ein total gesundes Gefühl und es ist auch eines unserer ehrlichsten Gefühle die wir als Menschen haben und deren Funktion ja auch die eines Frühwarnsystems ist.

00:15:26: und der Sinn des Ganzen ist uns vorgefahren zu schützen.

00:15:31: aber

00:15:32: Das Problem entsteht dort, wo die Angst zu etwas Unkonkretem wird.

00:15:37: Wo es eine Angst vor etwas Unsichtbarem geht... ...wo wir eben mit so was schwer zählbaren, schwer fassbarem wie ein Virus zu tun haben.

00:15:48: Es ist eine Angst, die sich schlecht beziffern lässt.

00:15:50: Man weiß nicht ganz genau, was bedeutet das jetzt für mich?

00:15:52: und in allererster Linie hat das was mit Kontrollverlust zu tun also wenn ich das Gefühl habe eine Situation kölnter außer Kontrolle geraten.

00:16:02: Ich weiß nicht ganz genau, was ich jetzt machen muss um mich davor zu schützen.

00:16:06: Das ist eigentlich das, wo Angst dann auch richtig relevant wird und psychisch zuschlägt und sich irgendwann anfängt von der gesunden Angst zu unterscheiden und unser Denken beherrscht und

00:16:18: einengt.".

00:16:19: Wie gehen wir mit dieser Angst um?

00:16:22: Mit diesem Gefühl die Kontrolle zu verlieren über unsere eigenen emotionalen Zustände, aber auch so ein bisschen ja über die Frage.

00:16:35: Wer bin ich eigentlich?

00:16:36: Angst stellt ja diese ganz große Frage auf wer bin ich?

00:16:39: wie sicher trete ich aus?

00:16:42: Wie sicher kann nicht mehr sein also schon eine fundamentale Erschütterung des Ichs.

00:16:47: Wie würdest du sagen, gehen wir jetzt mit diesem Gefühl?

00:16:48: Dass wir ja alle kennen in der einen oder anderen Seite.

00:16:50: Wir sprechen heute ausgelöst von diesen Bildern darüber.

00:16:53: Ehrlich gesagt auch meine eigenen Angst die ich darin sehe.

00:16:55: aber wie gehen wir mit Angst generell produktiv um als Menschen?

00:16:59: Wie würdest du das sagen?

00:17:03: Dazu gehört erstmal festzustellen dass Angst zum gesunden Leben dazugehört.

00:17:08: und wenn ich diese Bilder sehe die ungute Erinnerungen in mir wachrufen dann ist es auch völlig in Ordnung das mal fest zu stellen dass sich selbst dabei mal ein Ohr zu schenken und gucken, was es so viel Emotion in einem Wach rüttelt.

00:17:24: Und dann ist aber auch dann gut diese Emotionen, zu denen Angst gehört, gut einzuordnen.

00:17:32: Psychische Gesundheit bedeutet ja nicht Angstfreiheit sondern eben die Fähigkeit zwischen berechtigter Vorsicht und dauern da Alarmierung richtig gut unterscheiden zu können.

00:17:45: Also feststellen, was habe ich eigentlich für Emotionen in mir?

00:17:50: Und welche Effekte, welche Gedanken löst es aus?

00:17:53: aber dann sich auch klarzumachen dass es nicht um eine Situation geht die tatsächlich in der Realität mit Kontrollverlust verbunden ist sondern das es eben vor allen Dingen sich im Kopf abspielt.

00:18:05: Ja, das ist glaube ich ganz wichtig.

00:18:06: Dass du unseren Zuhörern das auch sagst dass es eben auch nicht einfach nur darum geht das weg zu trainieren ja wie irgendwie überflüssige Gramm Fett die man wegtrainieren unbedingt ist ja auch gar nicht unbedingt nur sinnvoll wir wissen aus der Jojo-Theorie.

00:18:20: aber die Frage ist ja dann doch wann spüre ich, dass Angst in eine Angststörung umkippt.

00:18:27: Also wie ist da dein Blick?

00:18:29: Wo wird Angst dann wirklich zu einem klinischen Moment wo man eben auch sagt das kann man selber mit dem befragen und mit dem sozusagen ruhigen dazugehören zum Leben nicht mehr in den Griff bekommen?

00:18:41: also wenn die angst keine beruhigung finden kann wenn sie anfängt unser Denken zu besetzen, wenn sie unsere Gedanken einengt und wir quasi an nichts anderes mehr denken können.

00:18:53: Dann wird diese Angst gesundheitsrelevant dann fühlt sich auch zu einer dauerhaften Anspannung, dauerhaftem Stress.

00:19:00: Dann können wir uns nicht mehr konzentrieren und uns auch nicht mehr ablenken.

00:19:04: Und ... Wenn das passiert und wenn dieser Stufe überschritten ist, kann es zum Problem werden.

00:19:11: Das finden wir bei so modernen Ängsten tatsächlich auch häufiger.

00:19:16: Die sind eben manchmal deswegen so erschöpfend und sehr mit Daueranspannung verbunden, weil unser Gehirn in der modernen Umwelt zwar von vielen, vielen alarmierenden Informationen gespeist wird.

00:19:34: Aber selten einen klaren Moment der Entwarnung findet.

00:19:37: Und darum müssen wir uns tatsächlich selber als Gesellschaft noch als einzelne Menschen kümmern.

00:19:42: Stimmt, weil diese Bilder jetzt da aus Tenerife sind es ja glaube ich die uns jetzt überall erreichen.

00:19:47: Die ganze Welt gehen, das ist wirklich ein Lauffeuer der Bilder, diese Schutzanzüge und so wie die in der ganzen Welt für Unruhe gesorgt haben.

00:19:55: Amerika hat das immerhin sofort auf eine Notfallstufe Drei gestellt und so.

00:20:00: Also die Unruh ist jetzt da.

00:20:03: Wie du sagst, da gibt es eigentlich keine Counter-Bilder, sozusagen beruhigen können.

00:20:10: Also das ist in der Tat ein Problem auch der sozialen Medien, dass sie sehr stark auf überhaupt der Informationstechnologien heute sehr stark die unruhigen Bilder setzen und nicht auf die ruhigen.

00:20:19: Ja und was dann in so hoch verdichteten informationsintensiven Gesellschaften wie sozusagen eine moderne Mediengesellschaft eben passiert ist, dass es zu emotionaler Ansteckung kommt.

00:20:32: Angst ist ein hoch ansteckendes Gefühl und was sich ganz schnell von Mensch zu Mensch und von Gruppe zu Gruppe über lange lange geografische Distanzen blitzschnell verbreitet.

00:20:45: Und insofern das ist eben ein Problem unserer... unseres digitalen Zeitalters, dass diese Ansteckung sehr schnell erfolgt.

00:20:52: Aber da die Gegenmaßnahmen eben sehr viel langsamer funktionieren?

00:20:56: Also während das Virus uns vielleicht gar nicht so über das Virus, das Hunter-Virus uns gar nicht gefährlich werden kann ist das Virus Angst eben durchaus etwas was uns gefährlich wird könnte Matze.

00:21:06: Letzte Frage jetzt wirklich nochmal wenn wir dich hier schon haben also ernsthaft gesagt ein Ratschlag von dir für Menschen eine Panik spüren, die diese Bilder sehen und denken oh Gott ich erinnere mich eben an traumatische Erfahrungen in dieser Zeit.

00:21:21: Was wäre jetzt dein Ratschlag an die Nachrichtenfasten?

00:21:24: Also so ein bisschen weg von den Bildern und der ticker Meldung, die wir ja auch wirklich sehen.

00:21:30: jede Stunde wird jetzt irgendwie berichtet was in diesem Zusammenhang passiert.

00:21:33: ist das eine Lösung?

00:21:34: oder würde es zu sagen nein im Gegenteil sich aussetzen, sich anschauen dabei und die Angst sozusagen auch sich aussetzen und sie damit auch bewältigen?

00:21:42: Also ich würde sagen, der erste Schritt ist erstmal das eigene Gefühl von Angst wahrzunehmen zu validieren wie wir so auf Psychologen Deutsch sagen und sich selbst sozusagen ernst zu nehmen.

00:21:54: Aber dann ist tatsächlich ein dosierter Nachrichtenkonsum etwas was ich sehr oft rate.

00:22:00: also Wir sind dazu geneigt aus dem Bedürfnis irgendwie wieder Kontrolle zu bekommen ganz viele Nachrichten reinzuschaufeln.

00:22:11: Aber das ist genau kontraproduktiv, weil es sozusagen diese Alarmspirale am Leben erhält.

00:22:16: Da ist dann gut wirklich den Nachrichtskonsum zu reduzieren.

00:22:20: Eine halbe Stunde pro Tag reicht ehrlich gesagt um über die wichtigsten Dinge ausreichend informiert zu sein und hilft dann eben auch der Psyche.

00:22:27: Und

00:22:30: genau diese halbe Stunde kann man ja mit dem FLC Podcast für Deutschland verbringen.

00:22:34: Also das war ein kleiner Hinweis auf, dass weniger ist manchmal mehr!

00:22:39: Vielen Dank lieber Mazda für deine Zeit und für deine Klugen und ich finde durchaus beruhigende

00:22:45: Ratschläge.

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