F.A.Z. Frühdenker Weekend • Leihmutter Ja oder Nein? Debatte nach Spahn-Rücktritt

Shownotes

Die Entscheidung von Jens Spahn, über eine Leihmutter in den USA ein Kind zu bekommen, hat das Thema hier wieder auf den Tisch gebracht. Welche rechtlichen und ethischen Aspekte sind da wichtig? Wir sprechen darüber mit der Rechtswissenschaftlerin Friederike Wapler.

Host: Kathrin Jakob

Mitarbeit: Felix Hoffmann

F.A.Z.-Liveblog Bundespolitik

Eine Befreiung, aber noch kein Befreiungsschlag

Und die Leihmutter sagte: „Enjoy your baby“


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Transkript anzeigen

00:00:03: Es gibt Themen, bei denen sich das eigene Bauchgefühl und die nüchterne Faktenlage nicht so leicht zusammenbringen lassen.

00:00:09: Leimutterschaft ist so eines.

00:00:11: Genau davon erzählt auch die Rechtswissenschaftlerin Friederike Wabler, deren Blick sich im Lauf ihrer Arbeit stark verändert hat.

00:00:19: Nach dem Rücktritt von Jens Spahn ist die Debatte um die Leimotterschaft neu aufgeflammt.

00:00:24: Meine Kollegin Katrin Jakob spricht mit Friederique Wablar über die Rechtslage in Deutschland, den Umweg ins Ausland und über die Frage, wie man Frauen und Kinder schützen kann.

00:00:34: Das war eine der Folgen aus dem FIZ-Podcast für Deutschland, die in dieser Woche besonders viele von Ihnen gehört haben!

00:00:44: Durch Jens Spahn ist auch das Thema Leimuterschaft hier bei uns in der gesellschaftlichen und politischen Debatte wieder hochgekocht.

00:00:51: Und über dieses Thema möchte ich mit meinem nächsten Gast sprechen, Friederike Wabler ist Rechtswissenschaftlerin an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz und sie hat im Jahr für die Ampelkoalition die Arbeitsgruppe zum Thema Leimmutterschaft in der Kommission für Reproduktive Selbstbestimmung koordiniert.

00:01:11: Ja und jetzt ist sie hier bei mir in der Leitung.

00:01:13: Hallo Frau Wabler, schön dass Sie da sind!

00:01:15: Hallo ich freue mich auch!

00:01:17: Frau Wapler einmal zu Beginn wie?

00:01:19: Ist die Rechtslage hier bei uns in Deutschland zum Thema Leimutterschaft?

00:01:23: Wir haben Regelungen im Embryonenschutzgesetz und im Adoptionsvermittlungsgesetz.

00:01:28: Nach dem Embryonschutzgesetz ist es Ärztinnen und Ärzten verboten eine Leimmutterschaft herbeizuführen Die Leimütter selbst und die Wunscheltern bleiben aber straffrei, das ist eine strafrechtliche Regelung.

00:01:41: Strafrechtliches Verbot für Ärztinnen und Ärzte.

00:01:44: Und nach dem Adoptionsvermittlungsgesetz ist die Vermittlung von Leimutterschaften in Deutschland verboten.

00:01:50: Das heißt es darf keine Agenturen oder sonstigen Stellen geben, die Wunscheltern und Leimütter zusammenbringen.

00:01:58: Also unter dem Strich ist es quasi unmöglich, in Deutschland ein Kind per Leimutter zu bekommen.

00:02:03: Das haben wir auch in den letzten Tagen gelernt.

00:02:07: Viele wählen deshalb wie in Spanier auch den Umweg übers Ausland.

00:02:11: da ist das aber nicht strafbar eine Leimutter zu beauftragen?

00:02:15: Das ist nicht straffbar.

00:02:17: und es ist auch so dass unter bestimmten Umständen die Elternschaft Menschen, die eine Leihmutter im Ausland beauftragt haben.

00:02:25: Im Ausland legal erwerben, dass sie dann hier anerkannt wird.

00:02:30: Also das ist da der Punkt.

00:02:31: Das geht also schon... Aber dass es hier so strenge Regeln gibt, das hängt ja auch damit zusammen, dass es ein ethisch kompliziertes Thema ist.

00:02:41: Es spiegelt sich in der Rechtsprechung wieder.

00:02:44: Was wird denn vor allen Dingen gegeneinander abgewogen?

00:02:48: Also für die Anerkennung der Elternschaft aus ausländischen Leimutterschaften ist maßgeblich das Kindeswohl.

00:02:54: Dass man sagt, wenn das mal die Personen sind, die bereit sind Verantwortung für das Kind zu übernehmen, die das Kind großziehen wollen dann ist es besser dass sie auch rechtlich die Eltern sind und nicht die Leimutter, die ja gar nicht haben will.

00:03:10: Das ist sozusagen da der maßgebliche Gesichtspunkt.

00:03:13: Wenn wir uns überlegen ob die Leimutterschaft in Deutschland verboten oder erlaubt sein sollte, dann sind da sozusagen diese drei Grundrechtsträger im Spiel.

00:03:24: Die Wunscheltern, die Leitmutter und von der Leitmutterschaft betroffenen Kinder.

00:03:30: Und ... Dann gibt es erst mal wenn man sich die Wunscheltern anschaut deren Recht auf Fortpflanzung- und Familiengründungen.

00:03:40: das umfasst auch, dass Recht sich reproduktionsmedizinischer Verfahren zu bedienen und dazu gehört jetzt so vom Ausgangspunkt her.

00:03:48: Auch der Wunsch danach eine Leihmutter zu beauftragen.

00:03:51: Das ist also erstmal grundrechtlich geschützt.

00:03:54: Darüber besteht auch weitgehende Einigkeit aber natürlich ist jede grundrechtliche Freiheit einschränkbar.

00:04:00: Also das Verbot der Leihmutterschaft schränkt dieses Grundrecht ein und wir müssen uns dann fragen ob es gute Gründe dafür gibt, dass es diese Einschränkung gibt.

00:04:10: Da werden eben im Wesentlichen die Rechte der Leimütter und der betroffenen Kinder relevant bei der Frage, warum darf man überhaupt irgendetwas verbieten was jemand freiwillig für sich so entscheidet.

00:04:25: Wo liegt das größte Konfliktpotenzial da?

00:04:28: Ich würde fast sagen dass größte konflikt Potenzial liegt in der Person der Leihmutter Weil wir bei der Leihmutter auf der einen Seite ihr Selbstbestimmungsrecht haben.

00:04:38: Das wird gern vergessen, wenn man immer sagt die wird so zum Objekt eines Geschehens gemacht.

00:04:42: Die entscheidet das natürlich erst mal freiwillig und sie wird Gründe dafür haben warum sie Leihmutter sein will.

00:04:49: Und das muss man ja erstmal ernst nehmen als eine autonome selbst bestimmte Entscheidung.

00:04:54: Auf der anderen Seite wissen wir aber jetzt aus diesem weltweiten Erscheinungsformen von Laimutterschaft Leimutterschaft ein enormes Ausbeutungspotenzial hat.

00:05:08: Also das ist gesundheitlich riskant, da werden oft wirtschaftliche Schieflagen ausgenutzt und vor diesen Gefahren muss man die Leimütter auch schützen.

00:05:20: Und da hat man so eine Spannung sozusagen innerhalb der Interessen der Grundrechtsträgerin selbst.

00:05:27: Jetzt hat dieser Fall Spahn die gesellschaftliche Debatte hier bei uns um eine Legalisierung der Leihmutterschaft wieder angestoßen.

00:05:35: Die gab es schon mal, im Jahr zwanzig.

00:05:37: Sie haben damals für die Ampelkoalition die Arbeitsgruppe zum Thema Leihmutterschaft in der Kommission für reproduktive Selbstbestimmung koordiniert.

00:05:46: Wie war denn da die Stimmung?

00:05:48: Gab's da auch mal richtig Streit in dieser Zeit?

00:05:52: Ach!

00:05:53: Ich würde gerne ergänzen, dass wir für die Eizellspende und die Leimutterschaft zuständig waren.

00:05:58: Wir haben tatsächlich viel mehr über die Eitzellspende gesprochen als über die Leihmutterschaft weil wir den Eindruck hatten das das praktisch viel relevantere Problem ist.

00:06:06: Dass sozusagen viel mehr Menschen betrifft Und wo es aber auch viel einfacher wäre sozusagen, die Dinge anders zu regeln als sie gerade geregelt sind.

00:06:15: Ich finde das gerade erstaunlich dass wir über die Leimutterschaft so isoliert sprechen.

00:06:20: Obwohl man ja für die Leilmutterschaft in der Regel eine Altzelspende braucht.

00:06:23: also eigentlich müsste man den Fokus erweitern.

00:06:27: Aber

00:06:29: nur

00:06:29: nebenbei... Wir waren in der Arbeitsgruppe neun Leute, die war interdisziplinär zusammengesetzt und wir waren uns durchaus überhaupt nicht einig.

00:06:37: Also das war eigentlich eine schöne Zusammensetzung weil wir das ganze Meinungsspektrum hatten.

00:06:40: also gerade bei der Leihmutterschaft da hatten wir die die sagten Das Verbot ist richtig und gut und es gibt auch keine Alternative und es gab die die sagen dass verbot ist falsch.

00:06:50: das kann man nicht rechtfertigen.

00:06:52: Der Gesetzgeber muss eine Neuregelung schaffen Und wir haben es aber tatsächlich geschafft Kompromisslinien zu finden.

00:07:01: Wir haben dann irgendwann gesagt, okay wir schauen mal wenn wir davon ausgehen dass in einer demokratischen Gesellschaft die wesentlichen Probleme tatsächlich innerhalb demokratischer Debatten oder durchdemokratische Debatte entschieden werden sollen.

00:07:15: Dann ist unsere Aufgabe eigentlich zu gucken was wären denn so rote Linien?

00:07:19: Also was müsste der Gesetzgeber auf jeden Fall beachten, wenn er die Leihmutterschaft legalisieren wollte?

00:07:25: Und so ist dann unser Vorschlag zustande gekommen.

00:07:28: Der sich so auf so einer Mittellinie bewegt.

00:07:30: Wir haben gesagt das Verbot lässt sich durchaus rechtfertigen wegen der Risiken, die ich genannt habe.

00:07:36: aber wenn der Gesetz Geber das legalisierend möchte, kann er das in einem engen begrenzten Rahmen auch machen.

00:07:42: Ja, bevor wir nochmal genauer auf das Ergebnis kommen der Kommission würde mich mal interessieren.

00:07:48: Was hat sie denn da persönlich so am meisten beschäftigt bei der Arbeit an diesem Thema und in der Kommision?

00:07:56: Also das war jetzt nicht das erste Mal dass ich mit Leitmotherschaft beschäftigt habe.

00:07:59: Das war ja auch ein Grund weshalb ich in die Kommission gekommen bin denke ich, dass sich dazu vorher auch schon geforscht hatte.

00:08:05: Ich kann schon sagen dass sich bei mir Der Blick auf die Leitmutterschaft sehr verändert hat.

00:08:12: Ich habe selber zwei Kinder, ich hab zwei Schwangerschaften und Geboten erlebt.

00:08:16: Und finde es nach wie vor schwervorstellbar, dass man das macht und das Kind hinterher abgibt.

00:08:25: Also mein Bauchgefühl ist da schon auch unbehaglich.

00:08:30: Aber wenn man sich dann wissenschaftlich mit so was beschäftigt, wenn man mit Betroffenen spricht ... Wenn man die Studien liest, die es ja mittlerweile gibt... aus anderen Fachgebieten spricht.

00:08:44: Also die Debatten mit unserem Psychologen in der Arbeitsgruppe, mit der Medizinerin und den Ethikerinnen... Da verändert sich dann der Blick schon auch.

00:08:54: Was ich gelernt habe ist dass das ein ganz vielschichtiges Phänomen ist und dass die Motive aus denen Frauen Leimütter werden auch ganz unterschiedlich sind.

00:09:12: Also es gibt durchaus Frauen, die sagen ich bin wirklich gerne schwanger.

00:09:19: Ich habe schon drei Kinder und ich mache das jetzt gerne noch sozusagen karitativ für andere.

00:09:24: Das ist so eine Konstellation.

00:09:28: Es gibt die, die das für Personen machen, die ihnen nahestehen Und es gibt natürlich die Fälle von Ausnutzung, von Notlagen, Ausbeutung oder diese Fälle wo man dann tatsächlich sich fragt Wo man in so ein Graubereich gerät, wo man sich fragt ist das denn jetzt noch freiwillig?

00:09:45: Ja was wären denn die Alternativen die diese Frau hätte?

00:09:48: und dass So?

00:09:50: also bei mir hat sich der Fokus sehr stark verschoben von erst so einem moralischen Unbehagen hin zu der Frage wie kann man verhindern dass die Frauen ausgebeutet werden?

00:10:00: Wie kann man Verhindern das mit Kindern gehandelt wird.

00:10:02: Wie kann Man für die Kinder sicherstellen Dass Das ihre Rechte gewahrt werden hat sich

00:10:13: verändert.

00:10:14: Und wie kann man das verhindern, zu welchem Schluss sind Sie da gekommen?

00:10:17: Wie kann man diese Planken sozusagen so sicher machen, dass diese Punkte rechtlich abgesichert werden können oder auch kontrolliert werden können?

00:10:27: Also wenn man auf die Kinder schaut finde ich es wichtig zur Kenntnis zu nehmen, dass nach den wissenschaftlichen Untersuchungen, die es gibt, die Leimutterschaft an sich jetzt nicht zu Identitätsproblemen führt.

00:10:42: Man gibt natürlich einem Kind so ein Thema mit, wie man jedem kind einen Thema mitgibt durch die Umstände in denen man es in die Welt setzt und großzieht.

00:10:53: aber das ist jetzt kein Problem bei dem man sagen müsste dass es Kinder überhaupt nicht zumutbar auf diese Weise auf die welt zu kommen was ein problem ist wenn mit der Situation nicht transparent umgegangen wird.

00:11:09: Also, wenn die Kinder irgendwann merken da ist ein Geheimnis.

00:11:12: man hat mich nicht aufgeklärt.

00:11:13: ich wüsste gern wer die Leimutter war.

00:11:15: Ich komme an die Daten nicht mehr ran und so und insofern müsste man da tatsächlich klarstellen dass das alles gut dokumentiert wird und dass die Kinder an diese Informationen auch dran kommen.

00:11:25: Das wäre wichtig.

00:11:27: Und was auch wichtig ist zu jedem Zeitpunkt klar ist, wer die Eltern des Kindes sind.

00:11:32: Wer verantwortlich ist und dass das für die Kinder möglichst schnell, möglichst stabil geregelt wird.

00:11:38: Das sind so die beiden Punkte, die wichtig sind in Bezug auf die Kinder.

00:11:43: Und wie steht es um die Frauen?

00:11:44: Wie kann man verhindern, dass es da zu einer Ausbeutung kommt?

00:11:49: Das ist tatsächlich der Punkt wo ich mir selbst am unsichersten bin und wo ich selbst die größten Zweifel habe ob eine auch noch so gute rechtliche Regelungen das ausschließen könnte.

00:11:59: Gerade wenn man dann überlegt, dass es sicherlich auch zugrenzüberschreitenden Konstellationen käme, wo man dann auch Wohlstandsgefälle zu anderen europäischen Staaten ausnutzen kann

00:12:11: etc.,

00:12:11: also da... Das ist für mich tatsächlich der tragfähigste Grund um das Verbot heute noch zu begründen.

00:12:21: Dass das möglicherweise nicht sicher ausgeschlossen werden kann!

00:12:24: Wir hatten eine Idee in der Kommission und war letztlich die Idee, dass wenn man von der Leihmutter verlangt das sie altruistisch handelt.

00:12:36: Und das sollte man tun ja.

00:12:38: Die sollte nicht aus nur aus finanziellen Gründen handeln.

00:12:42: Also altruistsisch heißt Sie kriegt da kein Geld für das Macht des quasi als Freundschaft oder Verwandtschaftlichen Akt also selbstlos uneignet sich heisst es eigentlich

00:12:54: eher das ist halt so ein.

00:12:55: Das Problem, also das was üblicherweise in der Debatte als altruistische Leimutterschaft gehandelt wird schließt überhaupt nicht aus dass die Leimutter eine Aufwandsentschädigung bekommt.

00:13:06: Die darf nur nicht hoch sein.

00:13:08: und da haben wir oft so ne Schieflage wenn es noch andere Akteure gibt deren Einkünfte aber nicht gedeckelt sind.

00:13:15: wenn man zum Beispiel eine kommerzielle Vermittlungsagentur hat und die dann sozusagen hohes Honorar für die Vermittlung dieser Und die Leimutter kriegt nur ihren Aufwand.

00:13:29: Fahrtkosten, Arztkosten etc... Das fahren wir ungerecht!

00:13:34: Da waren wir uns in der Kommission auch einig dass das ungerecht ist und insofern war unsere Idee zu sagen wenn man da an der Schraube Einkünfte der Leimutternicht drehen will weil man nicht möchte dass das so einen ja sozusagen hohen finanziellen Anreiz setzt Dann muss man an der anderen Seite drehen.

00:13:55: Da darf es eben auch keine kommerziellen Vermittlungsagenturen geben, sondern dann muss das ein gemeinnütziges Geschehen sein, an dem sich niemand bereichern kann.

00:14:05: Das wäre so eine Idee bei der ich aber nicht weiß ob sie funktioniert wenn man das nur innerstaatlich regelt.

00:14:10: also im Grunde bräuchten wir eine internationale Debatte und ne völkerrechtliche Regel.

00:14:14: Aber das ist natürlich noch viel schwieriger zu organisieren.

00:14:19: Aber dass war jetzt sozusagen die Empfehlung altruistische Leihmutterschaft ohne Vermittlungsagentur?

00:14:27: Naja, wir konnten uns auch nicht darauf einigen das Empfehlung zu nennen.

00:14:31: Wir haben gesagt der Gesetzgeber hat einen Gestaltungsspielraum und wenn er das Verbot beibehalten will dann kann er das tun.

00:14:37: Dann gibt es dafür immer noch gute Gründe.

00:14:39: Wenn er aber die Leihmutterschaft legalisieren will, dann wäre das aus unserer Sicht eine Bedingung.

00:14:46: Und Haben Sie das Gefühl, dass die aktuelle Rechtslage, die ja auch auf ein Gesetz von neunzehntneunzig zurückgeht noch der gesellschaftlichen Realität entspricht?

00:14:58: Oder sind sie der Meinung, dass das aufgebrochen werden sollte und nochmal diskutiert werden sollte.

00:15:03: Wir haben im Moment praktisch nur die strafrechtlichen Verbote im Embryonen-Schutzgesetz.

00:15:08: Und das ist tatsächlich nicht mehr zeitgemäß.

00:15:11: in vieler Hinsicht also Insbesondere auf dem Himmel, auch die Eizelspende ist das überhaupt nicht mehr zeitgemäß.

00:15:18: Insofern finde ich es wichtig dieses Problem der Leimutterschaft im Kontext der Reproduktionsmedizin insgesamt zu diskutieren und sich dann zu überlegen wie kann man denn diese ja diese berechtigten Wünsche

00:15:38: Kinder

00:15:39: zu bekommen mit Hilfe der modernen Medizin?

00:15:42: Wie kann man die gut rechtlich regeln, so dass aber nicht die rechte anderer Personen verletzt werden?

00:15:50: Dafür haben wir gerade nicht das Instrumentarium.

00:15:54: Und die Eizellen-Spende ... Wenn wir da noch mal kurz drauf zu sprechen ist sie auch verboten in Deutschland?

00:15:59: Die Eizellspende ist auch verboten und zwar in jeder Form.

00:16:02: In jeder Form okay!

00:16:03: Also es ist zum Beispiel verboten, die Eitzellen zu spenden eine Frau sich hat entnehmen lassen für ihre eigene Fruchtbarkeitsbehandlung und dann aber nicht mehr braucht.

00:16:15: Weil sie schwanger geworden ist, entweder auf natürlichem Wege oder weil sozusagen mehr Eizellen entnommen wurden als die gebraucht hat.

00:16:24: Und das wäre zum Beispiel eine Idee zu sagen diese überzähligen Eizeln, die ja zum eigenen Gebrauch entnommen wurden.

00:16:32: Warum soll man die nicht einer anderen Frau oder einem anderen Paar spenden können?

00:16:38: Für eine fruchtbarkeit Behandlung wenn die Alternative wäre, sie zu vernichten.

00:16:43: Und der Grund dafür ist welcher?

00:16:45: Das wurde damals in der Sorge vor der sogenannten gespaltenen Mutterschaft begründet.

00:16:52: Wenn also die Geburtsmutter nicht die Mutter ist von der das Kind genetisch abstammt und das Argument denke ich, dass es tatsächlich abgeräumt.

00:17:02: Dadurch man heute weiß, dass diese Form von Identitätsproblemen Ich will jetzt nicht sagen, dass es ihn nicht gibt.

00:17:11: Hier und da kommt das sicherlich vor aber das ist jetzt nichts, wovon man sagen muss.

00:17:15: Das ist eine zwingende oder regelmäßige Folge der Eizherspender.

00:17:22: Gut nun gehen ja wegen des Verbots hierzulande bei uns viele Paare ins Ausland wie auch Herr Spahn und sein Ehemann um dort über einen Leim unter ein Kind zu bekommen.

00:17:33: Welche Länder stehen denn davor allen Dingen im Fokus?

00:17:39: Darüber wissen wir gar nicht so viel.

00:17:41: Weil das natürlich nicht immer offen gelegt wird, wenn ein Kind durch Laimutterschaft erzeugt wurde und weil es dazu auch keine Statistik gibt.

00:17:48: Es gibt das Modell USA.

00:17:50: Das ist das teure Modell.

00:17:52: In den USA ist die kommerzielle Laimutter schaft erlaubt

00:17:55: d.h.,

00:17:56: die Laimüter haben eine andere Verhandlungsposition Und da wird aber die Elternschaft auch relativ recht sicher sozusagen gleich dokumentiert.

00:18:08: Und dann gibt es, ich glaube ist es immer noch so dass relativ viele Wunscheltern in die Ukraine gehen und in der Ukraine oder jetzt sozusagen zu ukrainischen Agenturen, die das ganze Geschehen nach Georgien verlagert haben.

00:18:28: Da sind die Bedingungen also günstiger aber die Bedingung sind nach allem was ich weiß deutlich schlechter auch für die Leimütter.

00:18:37: Dann gibt es wenige wenige Mitgliedstaaten der Europäischen Union, in denen die Laimutterschaft erlaubt ist.

00:18:44: Portugal zum Beispiel, Griechenland es gibt Großbritannien aber ich glaube dass Großbritanien diese reproduktiven Reisen nicht zulässt.

00:18:55: das also sozusagen nur... Also jetzt sozusagen nicht für Personen die aus dem Ausland kommen

00:19:05: Ja und ich meine Da kam ja auch der Vorwurf her, damit entstehen neue soziale Ungleichheiten.

00:19:12: Die sich leisten können das machen und eben natürlich rechtliche Ungleichheit für wie problematisch halten sie das?

00:19:20: Also gerecht ist es nicht.

00:19:23: Wer mehr Geld hat kann sich das halt leisten.

00:19:28: Mir ist es immer noch lieber die Leute nehmen dann richtig viel Geld in die Hand und gehen in den USA wo sie sozusagen eine Verhandlungspartnerin haben die Bedingungen nach allem, was man weiß relativ gut sind als dass sie sozusagen sehenden Auges in Kauf nehmen das eine Frau ausgebeutet wird.

00:19:47: In einem Land indem es günstiger zu haben ist.

00:19:51: aber natürlich wirft diese Möglichkeit ins Ausland zu gehen eine Reihe von Gerechtigkeitsproblemen auf.

00:19:58: also das ist kein Zustand mit dem man zufrieden sein kann.

00:20:02: Das ist kein zustande bei dem man sagen kann Wir belassen hier alles so, wie es ist.

00:20:06: Wir haben unser Verbot und wenn die Leute ins Ausland gehen, na gut!

00:20:10: Also das kann eine eigentlich nicht zufrieden stellen.

00:20:14: Es gibt ja auch Stimmen, die deswegen statt einer Legalisierung in Deutschland eher ein zusätzliches Verbot des Umwegs über das Ausland fordern?

00:20:21: Das hat Italien jetzt ja gemacht – zwanzig vierundzwanzig haben sie sozusagen die Leihmutterschaft im Ausland für italienische Staatsangehörige unter Strafe gestellt.

00:20:31: Da kriegen wir ein Problem mit dem Kindeswohl hierzulande und mit den Kinderrechten.

00:20:36: Denn wenn die Kinder erstmal auf der Welt sind, dann haben sie ein Recht auf ihre Identität, auf Eltern, auf die Kenntnis ihrer Abstammung und das kriegt man nicht aus der Welt dadurch dass man diese Praxis einfach verbietet und die Leute dann bestraft.

00:20:54: also das ist sozusagen unter menschenrechtlichen Gesichtspunkten jetzt auch kein unproblematischer Weg.

00:21:01: Ja,

00:21:01: also selbst wenn das Kind im Ausland dann auf die Welt gekommen ist?

00:21:05: Na ja was will man denn dann machen?

00:21:07: Also wenn man dann die Wunscheltern bestraft, dann nimmt man ihnen im Zweifel auch das Kind weg.

00:21:11: und was macht man mit dem Kind?

00:21:13: Was wird aus dem

00:21:14: Kind?!

00:21:16: Ich habe mich viel mit Kinderrechten beschäftigt!

00:21:20: Für Kinder ist es wichtig dass sie instabile in stabile Verhältnisse geboren werden und man nehme dann sehenden Auges in Kauf, dass die Inpflegefamilien landen im Heim.

00:21:35: Und am Ende nicht wissen wo sie herkommen und wo sie hingehören.

00:21:38: also das ist halt für sehr schwierig.

00:21:41: Jetzt kennen Sie ja den Politikbetrieb bei diesem Thema von Innen quasi für wie Wahrscheinlich halten Sie es denn, dass dieses Thema jetzt politisch bei uns nochmal neu verhandelt und auch neu geregelt wird?

00:21:51: Ich glaube das kann man im Moment noch gar nicht absehen.

00:21:54: Im Moment ist der Fall Jens Spahn natürlich ein Aufreger und Auslöser vieler Debatten.

00:22:00: Und ich glaube, es kommt tatsächlich darauf an ob in der Politik es Akteurinnen und Akteure gibt die das nutzen können und wollen um das Thema nochmal auf die Agenda zu setzen.

00:22:13: ansonsten wird sich das jetzt versenden aber Ich fand das ganz interessant und auch wichtig diese Debatte tatsächlich noch mal ausführlicher zu führen.

00:22:22: Frau Wapla, ganz herzlichen Dank für das Gespräch.

00:22:24: Vielen Dank!

00:22:29: Ein Thema mit vielen rechtlichen und ethischen Facetten.

00:22:32: Und am Ende bleibt vor allem die Frage wie man die Rechte aller Beteiligten in Einklang bringt?

00:22:39: Wenn Sie den Frühdenker abonnieren haben sie beides – Die tiefgehenden Gespräche am Wochenende und die kompakten Nachrichten an jedem Morgen unter der Woche.

00:22:48: Ab Montag ist der reguläre Frühtenker wieder ab sechs Uhr mit den Nachrichten für sie da.

00:22:53: Ich wünsche Ihnen bis dahin ein schönes restliches Wochenende.

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